Von unsteuerbaren Nummern

 

Hier bei uns gibt es zwei sehr fleißige Ämter, das Finanzamt Wolgast und das Finanzamt Greifswald. Früher wohnten wir in Greifswald, dann zog ich aufs Dorf, und man teilte mir mit, ich würde nun ins Einzugsgebiet Wolgast gehören, während mein Mann, der noch in Greifswald wohnte, nach Greifswald gehörte. Dann zog er her, arbeitete aber in Greifswald, was alle völlig verwirrte, so dass sie schnell beide Finanzämter zusammenlegten. Das ging aber auch nicht gut, und ich glaube, zur Zeit zahle ich an Greifswald, aber das kann sich stündlich ändern. Ungefähr einmal die Woche bekommen wir einen Brief, wir hätten oder ich hätte oder er hätte (oder unser Kind hätte) eine neue Steuernummer oder er oder ich sollten die vorletzte Steuernummer wieder in Gebrauch nehmen oder die Quersumme meiner bisherigen Steuernummern. Trotz langen Telefonaten mit mehreren Ämtern habe ich nicht herausgefunden, welche Nummer mir wirklich gehört. Ich benutze sie daher alle abwechselnd; die geraden an den ungeraden Tagen und umgekehrt, und die, die durch sieben teilbar sind, an den Donnerstagen. Dies ist allerdings erst der Beginn des Spiels.

Nämlich überweisen das jeweilige Finanzamt und ich uns seit mehreren Jahren immerzu gegenseitig möglichst ungerade Summen an Geld. Sie berechnen eine Vorauszahlung, die ich vorauszahle, dann berechnen sie, dass ich zu wenig vorausgezahlt habe und eine Nachzahlung der Vorauszahlung nötig wird, und nachdem ich auch die bezahlt habe, fällt ihnen ein, dass ich nach einer ganz neuen Berechnung jetzt im Nachhinein zu viel Vorauszahlung nachgezahlt habe und sie zahlen mir im Voraus eine Nachzahlung der nächsten Vorauszahlung nach. Da sie immer abwechselnd zuständig sind und außerdem ihre Kontonummern genauso oft ändern wie meine Steuernummer, kommt nicht alles an, was ich vorauszahle oder nachzahle und dann bekomme ich böse Briefe, warum ich denn die nachträgliche Vorauszahlungsnachzahlung so spät vorauszahle. Dafür berechnen sie Zinsen, und ich zahle also die Zinsen der von mir eigentlich nachgezahlten Vorauszahlung samt neuer vorgezogener Nachzahlung, doch im Nachhinein merken sie, dass ich die Zinsen nicht hätte zahlen müssen, und sie überweisen mit die im Voraus nachgezahlten Vorzinsen wieder zurück, während ich ihnen die nächste vorausberechnete Nachzinsvorzahlung zahle ...

Jetzt scheint das System allerdings zusammengebrochen zu sein, denn ich versuche seit mehreren Wochen, eine vorauschauend verzinste Nachzahlung zu zahlen, und die Bank teilt mir jedesmal kryptisch mit, die Überweisung wäre - ohne Angabe von Gründen - nicht möglich.

Ich vermute, es handelt sich bei der ganzen Sache um eine riesige Geldwäsche-Einrichtung, die inzwischen aufgeflogen ist, und es gibt die Finanzämter Greifswald und Wolgast gar nicht. Sie sind nur die Erfindung eines clever vorausdenkenden Nachzahlungszinskünstler, der sich nun mit dem Geld auf die Bahamas abgesetzt hat. Vielleicht gibt es überhaupt gar kein Finanzamt,  nirgendwo in Deutschland, sondern nur eine große Anzahl undurchschaubarer Konten, durch die die Gelder über einen kleinen Schweizer Umweg direkt in die Südsee fließen, wo die Erfinder der sogenannten Finanzämter sitzen, ein paar reiche Ganoven, die mit dem deutschen Staat überhaupt nichts zu tun haben. Wenn man den Gedanken philosophisch zu Ende denkt, folgt aus der Tatsache, dass es keine Finanzämter gibt, dass es auch keine Steuern gibt.

Es ist also eine durchaus machbare Idee der FDP, sie zu senken.