In London

 

Letzte Woche habe ich eine Freundin in London besucht - dort war es natürlich auch buchtechnisch sehr interessant. Wenn man in London Bücher kaufen möchte, bekommt man schnell den Eindruck, dass es früher irgendwann einmal verboten gewesen sein könnte, seine Buchhandlung anderswo als an der Charing Cross Road oder in der direkten Umgebung zu eröffnen. Das war natürlich nicht so und selbstverständlich gibt es überall in London verstreut Buchhandlungen, aber die Dichte am Charing Cross ist schon erstaunlich groß. (Ebenfalls auf der Charing Cross Road drängeln sich übrigens die Musikalienhändler).

In einer der Buchhandlungen kann man sich in nur 5 Minuten für erstaunlich wenig Geld Bücher ausdrucken und binden lassen, ganz gleich, ob dies selbst geschriebene Bücher sind oder solche, die vergriffen sind (also nicht mehr gedruckt werden und daher nicht mehr bzw. nur noch antiquarisch erhältlich sind). Ganz Eilige können sich dort auch die Bücher drucken lassen, die gerade nicht im Laden liegen. (In dem Fall könnte man natürlich auch zu einer der zig anderen Buchhandlucgen nebenan oder gegenüber gehen ...)

Weitaus länger als fünf Minuten würde es dauern, mit der tollen Maschine, die meine Freundin in ihrer neuen Wohnung gefunden hat, ein Buch zu drucken. Fünf Tage würde es wohl mindestens dauern. Es handelt sich bei der Maschine um eine "Adana eight-five", eine englische kleine Tiegeldruckpresse. So sieht sie aus:

Um damit zu drucken, werden die in die richtige Reihenfolge gesetzten Buchstaben (also die Druckplatte) in den dafür vorgesehenen Halter (Mitte links im Bild, die ganz dunkle Fläche) eingesetzt. Gegenüber davon wird das zu bedruckende Papier eingespannt.  Die Farbe wird auf die kreisförmige Platte aufgetragen. Wenn man den Hebel mit dem Handgriff nach unten drückt, bewegen sich die Walzen über die mit der Farbe bestrichene Scheibe und die Druckplatte wird gegen das Papier gedrückt, so:

 

Beim allerersten Betätigen des Hebels wird noch nichts gedruckt, weil sich noch keine Farbe auf den Typen (also den aus Blei geschnittenen Buchstaben der Druckplatte) befindet. Wird gedoch der Hebel wieder nach oben gelassen, so rollen die Walzen dabei über die Druckplatte und geben Farbe an die herausragenden Typen ab. Beim nächsten Herunterdrücken des Hebels wird die Farbe an das Papier abgegeben, und fertig ist eine Seite.

Allerdings eben nur eine einzige Seite! Nicht auszudenken, wie lange es dauert, mit diesem Verfahren einen 200 Seiten starken Roman zu drucken! Denn was man nicht vergessen darf: mit dem Betätigen des Hebels ist es nicht getan. Vorher muss man noch die Buchstaben bzw. Typen setzen, und das ist unvorstellbar mühselig. Denn sie sind klein, die Typen. Hier zum Beispiel eine Prise 8-Punkt-Times-New-Roman:

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