Die Buchmesse in Frankfurt

 

Die Frankfurter Buchmesse ist schon seit über einem Monat vorbei, und dementsprechend spricht niemand mehr darüber. Vor der Buchmesse sprechen alle darüber, selbst Leute, die ansonsten nicht viel mit Bücher zu tun haben. Besonders dann, wenn der sogenannte Ehrengast ein umstrittenes Land ist, wird viel über die Buchmesse geredet - vor und während der Messe. Wenn sie vorbei ist, wird sie sofort vergessen. Natürlich ist das bei Menschen aus der Buchbranche etwas anders, bei denen bleibt die Buchmesse noch ein, zwei Wochen Thema, denn schließlich muss sie nachbereitet werden. Aber jetzt, Ende November, interessiert sich keiner mehr dafür. Man denkt eher schon an Leipzig.

Dementsprechend verschroben ist ein Blogeintrag über die Buchmesse kurz vor dem ersten Advent. Wie kommts? Der Blogschreiber bringt viele schöne Bilder aus Frankfurt mit, wird krank, wird wieder gesund, und, oh Schreck, da ist der Computer kaputt. Ob auch er die Schweinegrippe bekommen hat? Jetzt ist er wieder heil und kann die Bilder der vergangenen Buchmesse ins Netz laden. Mit ein wenig Abstand betrachtet ist die Buchmesse außerdem viel schöner.

Für mich hat die Buchmesse mit einem außergewöhnlichen Event begonnen. Es war so außergewöhnlich, dass ganze Scharen von schwerbewaffneten Pressefotografen da waren.


Sie waren da, weil Herta Müller da war. Als die Veranstaltung "Literatur im Römer. Lesungen und Gespräche zur Frankfurter Buchmesse" geplant wurde und man Herta Müller dazu eingeladen hatte, hat noch niemand geahnt, dass sie Nobelpreisträgerin werden würde. Die Veranstaltung wurde von Sigrid Löffler und Gerwig Epkes moderiert und hatte einen skurrilen Beginn.


Es war nämlich so, dass die Veranstaltung um 20:00 begann und im Fernsehen ausgestrahlt werden sollte. Die Sendung begann jedoch erst um 20:03. Darum wurde das Publikum gebeten, nicht zu applaudieren, wenn die Nobelpreisträgerin die Bühne betritt, sondern mit dem Beifall bis Sendebeginn zu warten. Das Publikum hat sich brav daran gehalten, aber man hat deutlich gespürt, wie schwer es allen gefallen ist, eine angemessenen Begrüßung zurückzuhalten. Umso stürmischer und enthusiastischer wurde dann um drei nach acht geklatscht.


Herta Müller ist von Sigrid Löffler interviewt worden und hat aus ihrem Buch "Die Atemschaukel" vorgelesen. Nach ihr haben weitere 7 Autoren gelesen und sind interviewt worden, unter anderem Therézia Mora, Finn-Ole Heinrich und Feridun Zaimoglu. Eine tolle Veranstaltung, die - zur Information für alle, die zur nächsten Buchmesse fahren - jedes Jahr stattfindet und keinen Eintritt kostet. Allerdings dürfte es eher selten passieren, dass man das Glück hat, dort eine frischgebackene Nobelpreisträgerin anzutreffen, und so eine sympathische noch dazu.

Am folgenden Tag habe ich mich in die moderat überfüllten Messehallen gestürzt und mich erst einmal ein wenig umgeschaut, bevor ich zum Stand der Verlagsgruppe Oetinger gegangen bin. Dort bin ich genau im richtigen Moment angekommen, um Isabel Kreitz beim Zeichnen zu bewundern.


Das von ihr als umgesetzte "Pünktchen und Anton" von Erich Kästner wurde von Erik Borger vorgelesen, Während Isabel Kreitz große Zeichnungen angefertigt hat.


Unterdessen ist ein riesiger, als Peddersson verkleideter Mann auf dem Standgelände herumgegeistert und hat den Messegästen bunte Federn ins Haar gesteckt - in manchen Fällen sogar ins bunte Haar.


Wie groß der federnverteilende Peddersson war, kann man ganz gut erkennen, wenn man ihn in vor einer Tür von normaler Größe sieht:


Leider hatte der gute Mann seine Katze Findus nicht dabei. Aber höchstwahrscheinlich ist es nicht erlaubt, Tiere auf die Buchmesse zu bringen.

Mittlerweile ist die Lese- und Zeichenaktion von Isabel Kreitz und Erik Borger vorbei, und letzterer hatte endlich die Gelegenheit, die Bilder der aus Hamburg stammenden Comiczeichnerin aus der Nähe zu betrachten.


Währenddessen signiert Isabel Kreitz Bücher ...


Kurze Zeit Später tauchte auch schon Kirsten Boie auf, um aus ihrem neuen Buch "Seeräubermoses" vorzulesen.


Anschließend hatte auch sie viel zu signieren.


Besonders rührend fand ich, wie miutiös sich hier eine junge Autogrammjägerin auf die Buchmesse vorbereitet hat.

Später gab es am Stand einen Empfang. Verlegerin Silke Weitendorf hielt eine sehr schöne, wenn auch etwas traurige Rede, bevor sich Mitarbeiter, Autoren, Geschäftspartner und Neugierige angeregt bei Sekt, Orangensaft und äußerst leckeren Häppchen unterhalten haben.


 

Am folgenden Tag war ich nicht auf der Messe. Aus verschiedenen Gründen hatte ich beschlaossen, am Freitag nicht zu Buchmesse zu gehen und erst am Samstag wieder hinzufahren. Das mache ich nie wieder! Ich bin von vielen Leuten gewarnt worden, dass die Buchmesse an den Besuchtertagen, also Samstag und Sonntag, die reinste Vorhölle ist. Aber ich dachte, dass es nicht so schlimm sein kann, wenn man vorgewarnt und darum auf das Schlimmste gafasst ist. Da habe ich mich leider gründlich getäuscht - es war der Horror. Also habe ich mich erst einmal auf den Weg in meine geliebte Halle 6 gemacht, wo es potentiell leerer sein würde. Dazu musste ich den Innenof überqueren, wo man ein bisschen daran erinnert wurde, dass China der diesjährige Ehrengast der Buchmesse ist.


Hier stehen ein paar Leute, von denen manche offennbar beim Rahmenprogramm mitwirken. Der Innenhof des Messegeländes ist übrigens eine der wenigen Stellen, an denen man als Messebesucher deutlich merkt, welches Land Ehrengast ist. Es gibt eine entsprechend gestaltete Bühne, Stände und Infozelte zu dem Gastland.


Der Ehrengast des entsprechenden Jahres ist zwar immer eine wenig präsenter als in anderen Jahren, aber der "normale" Messebesucher merkt kaum etwas davon. Es gibt ein Forum mit Ausstellungen über das Gastland, in diesem Jahr hieß es Forum China, im nächsten Jahr wird es Forum Argentinien heißen, doch die meisten Besucher gehen nicht dorthin.

Doch bleiben wur beim Innenhof, den die Buchmesse übrigens lateinisch Agora nennt: Dort ist mir eine Messebesucherin über den Weg gelaufen, an der alles Messebesuchertypische so überspitzt war, dass mir vor lauter Aufregung das Bild verwackelt ist:


Bis zum Kaum-noch-laufen-können mit Tüten und Taschen bepackte Menschen laufen über die Buchmesse und stecken jeden Prospekt, ja, alles, was nicht niet- und nagelfest ist ein und schleppen es nach Hause, und man fragt sich: Was wollen die mit all dem Zeug?

 

Ebenfalls auf dem Agora ist mir etwas begegnet, was man eher in Leipzig vermuten würde - die Mangabegeisterten.


Es waren viel weniger als in Leipzig, aber das ist kein Wunder, denn in Frankfurt sind Mangas zwar vorhanden, aber kein Schwerpunkt.

Hier sind drei besonders beeindruckende Kostümierungen:

 

 



In Halle 6 waren kaum Mangaliebhaber, wohl aber Mangas in Originalsprache und außer japansichen auch chinesische Stände. Das hatte allerdings nichts damit zu tun, dass China Gastland war, sondern ist immer so - in Halle 6 und 6.1 stellen Verlage aus allen möglichen Ländern aus.



Ebenfalls in Halle 6 habe ich einen Aufkleber an der Wand entdeckt, der ein bisschen ahnen lässt, warum es so große Diskussionen über die Entscheidung für China als Ehrengast gab. Eigentlich gehörte der Aufkleber nicht an die Wand, sondern auf Bücher aus Taiwan.

hhh

Das heißt ungefähr "Jede Forderung in diesem Buch, die gegen das Ein-China-Prinzip verstößt, wird zurückgewiesen."Der Aufkleber hat wohl auf allen Büchern aus Taiwan, also der Republick China, geklebt. Die Volksrepublik China verfolgt eine sogenannte "Ein-China-Politik", nach der alle Länder, die mit China diplomatische Kontakte haben, anerkennen müssen, dass es nur ein China gibt - und dass unter anderem auch Taiwan, die Republik China, dazugehört. Kulturell gesehen mag das stimmen, politisch gesehen aber eben nicht - die Volksrepublik China und die Republik China sind einfach zwei verschiedene Länder. Darum ist der Aufkleber etwas sonderbar und resultiert aus der ebenfalls seltsamen Tatsache, dass "das Gastland China" nicht ein Land, sondern mehrere Länder sind. Oder ist? Es ist so verwirrend, dass nichtmal mehr die Grammatik mitmacht. Also schnell weg aus diesem konfliktbeladenen "China" und zurück in die Kindheit - zu Paul Maar.

Paul Maar war der erste echte Schriftsteller, den ich gesehen habe. Als ich in der ersten Klasse war, hat er bei uns in der Schule gelesen. Das war eins der besten Erlebnisse, die ch je in der Schule hatte. Und zwar nicht etwa, weil es an guten Erlebnissen gemangelt hätte, sondern weil Paul Maar so toll war. Und nun war er auf der Buchmesse, um zusammen mit seiner Tochter Anne Maar das gemeinsam verfasste Buch "Der Biberburgenbaumeister" vorzustellen.

 

Anne Maar hat gelesen, während ihr Vater, ohne den es das großartige Sams nicht gäbe, gezeichnet hat.


dsd

Eigentlich hätte ich mir anschließend gerne noch ein Autorgramm von Paul Maar geben lassen, aber leider war Besuchertag. Also war es nahezu unmöglich, ohne mehrsstündiges Warten an ein Autogramm heranzukommen. Und ich habe ja auch schon eins - aus der ersten Klasse.

Übrigens gibt es die auf der Buchmesse entstanden Illustrationen von Paul Maar und Isabel Kreitz zu gewinnen, und zwar hier.

Hinterlasse eine Nachricht

Meine Informationen merken